Achtung vor den Crash-Propheten

Hoffentlich „knallt“ es bald…

Kennen Sie noch Nostradamus? Er war wohl einer der bekanntesten Crash-Propheten der Vergangenheit. Er lag immer wieder daneben, trotzdem warteten die Menschen auf die nächste düstere Prophezeiung. 

Das Zeitalter dieser Propheten der Apokalypse ist noch lange nicht vorbei. Schon gar nicht an den Finanzmärkten der Welt. Heute sind es Leute, wie die zwei Finanzberater Marc Friedrich und Matthias Weik oder auch Max Otte, Dirk Müller und viele weitere, die immer wieder den nächsten katastrophalen Crash vorausahnen wollen. 

Erstaunlicherweise fallen Leute auch immer wieder darauf herein. Verängstigte Menschen suchen sich ihre Bestätigung.

Außerdem sind die Menschen seit Urzeiten darauf programmiert, Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Danach setzt auch sofort der Fluchtreflex ein. Insofern ein völlig natürliches Verhalten. Irgendwie gibt es für Katastrophen-Szenarien auch eine Art magische Anziehungskraft.

Bei den genannten Autoren handelt es sich allerdings grundsätzlich um ein Vertriebsmodell. Ganz besonders perfide läuft die Masche bei Friedrich & Weik, die anscheinend alle 2 Jahre mit einem Crash-Buch um die Ecke kommen.

Achtung! Das hier ist definitiv keine Lese-Empfehlung, sondern das Gegenteil davon!!!

Ihre wertvollste Ressource Zeit können Sie anderweitig einsetzen. 

Ich habe mich mal aufgeopfert und mich durch ein Buch von Friedrich & Weik (als Hörbuch beim Autofahren) durchgekämpft und kann sagen, dass die angewandt Masche übel ist, aber sich vielfach bewährt hat. Man kann fast sagen, dass es sich um ein äußerst lukratives und risikoloses Geschäftsmodell handelt. 

Man durchschaut es erst, wenn man mit einem gewissen Sachverstand das Buch liest. Nur dann können die erwähnten Hintergründe entsprechend eingeordnet werden. Natürlich kann man diesen Sachverstand nicht voraussetzen und so ist der „Normal-Leser“ nachvollziehbarer weise ohne diese entsprechende Expertise.

Diesen Wissens-Nachteil nutzen die Autoren gnadenlos aus. 

Beschrieben werden (in der Regel) korrekte und überprüfbare Sachverhalte. Diese werden dann entsprechend verdreht. Daraus werden dann entsprechende Crash- und Chaos-Folgen abgeleitet. Folge ist eine totale Verunsicherung des Lesers.

Es klingt doch alles so nachvollziehbar und logisch. In aller Regel werden bereits bestehende Befürchtungen aufgegriffen, bestätigt, weiter gesponnen und eine daraus folgende Katastrophe detailliert beschrieben.

Ich zitiere hier mal stellvertretend zwei von mir aufgeschnappte, besonders plumpe Aussagen:

„Schuld an den niedrigen Zinsen ist Super-Mario aus Italien…“ (gemeint ist Mario Draghi) „…dieser stützt mit seiner Zinspolitik Länder, wie Italien. Haften dafür müssen die Deutschen.“

„…das Ding ist durch! Schulden werden nicht mehr zurück gezahlt. Der Bürger zahlt die Zeche.“

Viele Bürger nicken dann heftig mit dem Kopf. Ihr eher oberflächlicher, laienhafter Eindruck wird so bestätigt.

Warum tun die das?

Zunächst soll das Buch verkauft werden. Das klappt auch erschreckend gut. Die Bücher erreichen regelmäßig Spitzenplätze in den Verkaufscharts. 

Das ist leider auch typisch für die Finanzbranche. Vernünftige Ansätze klingen wenig spektakulär und gelten daher eher als ermüdend. Reißerische Aussagen müssen her. Die Bücher lesen sich dann auch eher wie ein Krimi. 

Würde gerne mal die Verkaufszahlen von Gerd Kommer’s Buch mit denen von Friedrich & Weik vergleichen. 

Wenn der Crash dann aber doch nicht kommt, dann gibt es dafür immer sofort eine plausibel klingende Erklärung.

Aktuell sind es die Notenbanken. Die verzerren eben die Weltmärkte so sehr, dass der Crash bislang ausblieb. Aber er wird natürlich demnächst kommen und dann noch viel mehr crashen als zuvor befürchtet.

Was man dagegen tun kann, das erfährt man natürlich nur, wenn man das Buch möglichst schnell kauft!

Ein Mittel, um sein Geld zu retten ist es laut Friedrich übrigens Bitcoins und Whiskey zu kaufen. Das ist kein Scherz! Schauen Sie sich die den Auftritt vom Möchtegern-Experten Friedrich gerne an, der vor kurzem in der Talkshow Maybrit Illner zu sehen war: 

Im Ausschnitt wird das Schema wieder klar: Es werden bekannte und korrekte Fakten aufgegriffen, verdreht und daraus eine zerstörerische Schlussfolgerung getroffen.

Schwierig ist so etwas immer dann, wenn es keine entsprechende Gegengewichte gibt, die kompetent mit Sachverstand darauf eingehen können.

Zum Glück war in der Sendung Marcel Fratzscher als kompetenter Ökonom zugegen, der bemüht war, die Dinge gerade zu rücken. Crash-Autor Marc Friedrich (und auch die anderen Propheten) sind für mich ein Paradebeispiel für „Populismus“.

Meine Definition von Populismus= Komplizierte, komplexe Sachverhalte in einfache und leicht verständliche Parolen verwandeln.

Das kann er wirklich meisterhaft!

Bezeichnend war folgender Dialog in der Sendung:

Maybrit Illner (Frage an Fratzscher) „Ist da für Sie irgendetwas nachvollziehbar an der Argumentation (von Herrn Friedrich)?“

Marcel Fratzscher: „Nein“


Sofort reagiert Friedrich aggressiv und beleidigt und greift Fratzscher an. Der bleibt allerdings gewohnt ruhig und gelassen. Diese Szene finden Sie exakt an dieser Stelle: https://youtu.be/V2V_2Pp4U58?t=217

Zum Abschluss noch folgender Hinweis: Marc Friedrich ist nicht der einzige Crash-Prophet, der neben Bücher auch gleichzeitig einen Fonds vertreibt. Irgendwie auch logisch, dass man den verängstigen Menschen gönnerhaft eine Möglichkeit gibt, wo das Geld denn nun hin soll. Natürlich in die Hände der Crash-Propheten! 

So kostet der Friedrich & Weik Fonds auch richtig Geld (zu bezahlen in Euros! Die Bezahlung in Bitcoins oder Whiskey ist nicht vorgesehen 🙂

Hier die Hard-Facts

Ausgabeaufschlag: 3%
Laufende Kosten: 1,95% pro Jahr
zusätzliche Erfolgsprovision: 7,50 % der positiven jährlichen Wertentwicklung über dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) zzgl. 3,0% p.a, jedoch höchstens 10% des Fondsvermögens

Also teuer…sehr teuer!

Aber vielleicht kann zumindest die Performance nach Kosten noch überzeugen???

Nee! Siehe Chart…

Ich hoffe, dass Sie nun einen kleinen Blick hinter die Kulissen gewinnen konnten, so dass Sie die jeweiligen verborgenen Interessen erkennen konnten. Fallen Sie also bitte nicht auf die Wahrsager der heutigen Zeit herein. 

 

Ein tollen Artikel über die Crash Autoren Friedrich & Weik fand ich auch hier von Markus Neumann (Fair Value Magazin):

Matthias Weik & Marc Friedrich: Fehlprognosen pflastern ihren Weg
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Ich lebe im Saarland und bin seit Jahren in der Finanzbranche tätig. Ich nutze meine Erfahrungen, um Verbraucher vor Schaden zu bewahren und möglichst präventiv zu schützen.

Ich setze mich unter anderen für faire und unabhängige Finanzberatung ein.

Mein Rat: Machen Sie sich stets eigene Gedanken, seien Sie kritisch und sorgen Sie für eine entsprechende Finanzkompetenz!

2 Comments

    • Eines muss man ihm lassen: Er ist ein sehr guter Medien-Mensch. Kommt überzeugend rüber und weiß, wie er die Menschen überzeugt!

      In dem verlinkten Video kommt aber meiner Meinung nach Fratzscher überzeugender rüber.

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